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TSG Lübbenau III – HV Calau (32 : 31)

Vor sechs Tagen bekam der junge Kern unserer 3. Männer eine schmerzhafte Lektion in Sachen Tradition. Ein Derby im Männerbereich ist eben kein Jugendturnier. Gegen die geballte Erfahrung der Dritten des HC Spreewald, die zusammengerechnet locker 400 Jahre Handballerfahrung (inkl. dutzender Derbies) auf die Platte brachte, mussten wir uns am Ende deutlich geschlagen geben. Und ja, auch in der Kreisoberliga schlägt Routine offenbar jugendlichen Übermut. Wie sagte einst ein altgedienter Mitspieler aus Lübbenau „Das Leben ist kein Ponyhof!“. Aber sei’s drum.

Nach dieser Schmach war vor allem für unsere junge Generation Selbstreflexion angesagt. Einmal tief durchatmen, die eigene Leistung ehrlich hinterfragen, vielleicht kurz beim Gegner nachfragen, welches Rheumamittel er empfiehlt, und dann Mund abputzen und weiter geht’s. Denn nach dem Derby ist vor dem Derby.

Die Chance auf Wiedergutmachung sollte uns ausgerechnet der HV Calau bieten, immerhin eine der stärkeren Truppen der Liga, die zu Gast in der Olaf-Mann-Arena war. Auch die Gäste reisten mit einem stark verjüngten Kader an und mussten verletzungsbedingt auf ein, zwei Akteure verzichten. Das hatte zur Folge, dass Urgestein Faatzi noch einmal das Trikot aus dem Schrank holen und seine Erfahrung in die Waagschale werfen durfte (oder musste, je nachdem, wen man fragt).

Vor dem Anpfiff ging es noch ausgesprochen freundschaftlich zu, schließlich hatten einige der Jungspunde beider Teams im letzten Jahr noch gemeinsam für die A-Jugend aus Lübbenau gespielt. Es wurde umarmt, abgeklatscht und in Erinnerungen geschwelgt. Doch spätestens mit dem Anpfiff war Schluss mit Kuschelkurs, ab da kannte man sich nur noch vom Hörensagen.

Die Partie war von Beginn an ein offener Schlagabtausch. Es ging munter hin und her, und beide Mannschaften machten deutlich, dass sie die Halle nur mit zwei Punkten im Gepäck verlassen wollten. Leider forderte das Spiel auf beiden Seiten früh seinen Tribut in Form verletzter Schlüsselspieler. Bei uns erwischte es bereits früh Spielmacher Tim (aka Tom), sodass andere in die Bresche springen und die Fäden ziehen mussten. Auch Jungspund Leonard musste kurz verschnaufen, biss dann aber die Zähne zusammen und half, wo er nur konnte.

Als dann auch auf Gästeseite nach 15 Minuten der im Vorfeld hochgelobte Morten Primon ausfiel, schlug die Stunde von Faatzi. Aus den vor dem Spiel großzügig angekündigten fünf Minuten Einsatzzeit wurden kurzerhand 40. Und er zeigte eindrucksvoll, was nach zwei Jahren Handballpause noch alles im Tank ist, und stellte unsere Abwehr phasenweise vor echte Rätsel. Doch auch diese Aufgabe lösten Mautsch Junior und Leonard mit der Zeit souverän.

Von der Trainerbank kam über die gesamte Spielzeit ordentlich Energie, gepaart mit den richtigen Entscheidungen. Das merkte man den Jungs auf der Platte sichtbar an, denn Rückschläge wurden weggesteckt, statt die Köpfe hängen zu lassen.

So erarbeiteten wir uns in der ersten Hälfte einen Drei-Tore-Vorsprung und gingen mit 17:14 in die Kabine. Die Stimmung war gelöst, doch das Trainergespann Kilian und Flori sowie die alten Hasen Matze und Robert traten sofort auf die Euphoriebremse. Zu Recht, wie sich zeigen sollte, denn Calau ließ sich in der zweiten Hälfte einfach nicht abschütteln. In dieser Phase bewies Robert, was man ihm früher beigebracht hat. Ein echter Handballer kann jede Position spielen. Ob im Rückraum, auf Außen oder am Kreis, er war überall dort zu finden, wo die jungen Wilden gerade Unterstützung brauchten.

Zwar konnten wir uns zwischenzeitlich auf 28:23 absetzen, doch in der 58. Minute stand es plötzlich 30:30. Und die bange Frage hing in der Luft: Würden wir das Spiel, wie schon so oft, in den letzten zwei Minuten noch aus der Hand geben? Nicht dieses Mal!

Denn der an diesem Tag bestens aufgelegte Willi ließ seinen vielen Worten endlich auch Taten folgen. Über die gesamte Spielzeit netzte er sicher ein und brachte uns in der heißen Schlussphase wieder in Führung. Joel erhöhte anschließend auf 32:30, und der Deckel war drauf. Neben allen Feldspielern verdient unser Jüngster eine besondere Erwähnung. Franz hielt uns in kniffligen Momenten im Spiel und vernagelte den Kasten ein ums andere Mal. Das sah schon verdächtig nach Steve aus, dem wir an dieser Stelle nochmals gute Besserung wünschen.

Unterm Strich bleibt festzuhalten. Unsere Dritte zeigte endlich einmal über die volle Spielzeit Kampfgeist, Leidenschaft und echten Zusammenhalt. Und siehe da, so bleiben die zwei wichtigen Punkte auch tatsächlich in der heimischen Olaf-Mann-Arena. Wir haben das Ding endlich mal bis zum Schlusspfiff über die Bühne gebracht. Eine klare Leistungssteigerung war zu sehen, doch nach oben ist noch reichlich Luft. In den kommenden Partien gilt es nun zu beweisen, dass dieser Team- und Kampfgeist keine Eintagsfliege war und wir uns handballerisch ebenso steigern, um uns an traditionelle Zeite der dritten Vertretung anzunähern. 

Ein Lob gebührt außerdem dem Schiedsrichtergespann, das sich als positives Aushängeschild seiner Zunft präsentierte und die Partie souverän leitete. Auch das soll es ja geben.

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